Faces | Interview mit der Hausmeisterin der Unternehmenskultur @Jimdo

Yvonne Neubauer, 09.01.2012, 1 Kommentar
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Da das Hamburger Unternehmen Jimdo sich selbst intern als große Arbeits-WG bezeichnet, könnte Magdalena Bethges Jobtitel auch heißen: Hausmeisterin der Unternehmenskultur. Zumindest offiziell heißt ihr Job seit Juni 2010 allerdings etwas sachlicher Sprint Managerin bei dem Entwickler und Anbieter von einem Homepage Baukasten-System. Nach ihrem Studium der Sportwissenschaften, Pädagogik und Öffentliches Recht in Kiel sammelte sie zunächst als Sporttherapeutin in einer Rehaklinik Erfahrung im Motivieren, Beraten und Anfeuern.

Was ihr Job als Sprint Managerin bedeutet, entscheidet jeder Tag neu. Zu ihren festen Aufgaben zählen zwar das Organisieren von Firmenevents und -feiern und das Willkommen heißen neuer Mitarbeiter – wie sie aber genau an der Unternehmenskultur von Jimdo herumschraubt und an einem guten Netzwerk der Mitarbeiter untereinander bastelt, erzählt sie ausführlicher im Interview. Zum Glück auch, was es mit dem Müllshoppen bei Jimdo auf sich hat.

Gab es zu deinem Job eine Stellenausschreibung? Wie bist du an den Job bekommen?
Nein, mein Job war nicht ausgeschrieben. Ich bin von einem der Geschäftsführer, Fridtjof, angesprochen worden. Ich bin mit seiner Freundin befreundet. Wenn man sich privat schon gut kennt und schon mal zusammen was auf die Beine gestellt hat, kann man auch besser abschätzen, ob man gut zusammenarbeiten kann.

Was machst du bei Jimdo?
Ich bin zuständig für Motivation, Orga und Ideen. Meine Position heißt in anderen Unternehmen Kulturmanagerin oder ist  dem Bereich Feel-Good-Lobby zugeordnet. Ich verstärke die Unternehmenskultur und sensibilisiere für sie. Je mehr Leute wir werden, desto wichtiger ist es, dass jemand wie ich die neuen Mitarbeiter einführt. Ich führe neue Kollegen in ihren ersten Tagen durch Jimdo, helfe ihnen bei Problemen.

Ich selbst bin erst seit Juni hier, daher ist mein Job gerade ein großer Trichter, in den viele Ideen hereingefüllt werden. Mein Aufgabenfeld kristallisiert sich immer mehr heraus und ich filtere, was in meinen Arbeitsbereich gehört und was eben nicht.

Ich organisiere das Büroleben hier. Für alles Fachliche haben wir einen extra Flow-Manager. Er organisiert alles, was unsere Arbeitsabläufe verbessert und uns effektiver macht.

Ich dagegen kümmere mich um unsere Kultur – von Programmierung habe ich keine Ahnung.

Welche Vor-und Nachteile hat das?
Für mich hat das nur Vorteile. Ich habe nichts mit unserem Produkt zu tun, sondern nur mit dem Büroleben. So kann ich mich losgelöst von Arbeitsprozessen intensiv um unsere Kultur kümmern.

Besteht die Gefahr, dass sich Berufs- und Privatleben zu stark vermischen?
Nein, denn es ist bei Jimdo keine Regel, dass nur Freunde eingestellt werden. Wir achten einfach darauf, dass neue Mitarbeiter ähnlich ticken und sie sich daher hier wohlfühlen.

Prädestiniert dein Job dazu, der Kummerkasten der Firma zu werden?
Selbst wenn, ich hätte nichts dagegen! Mich interessieren die Probleme meiner Kollegen. Wenn sie mit einem Problem auf mich zukommen, ist das ein guter Weg der Kommunikation. Solche Situationen zeigen auf, wo’s hakt. Ich möchte ja schließlich Raum für Lob und Kritik schaffen.

Nenn bitte ein Beispiel, wie du das machst!
Ich habe zum Beispiel ein good und ein bad book eingeführt, in das die Jimdo-Mitarbeiter Lob und Kritik eintragen können. Nach der Teamverlötung, so heißt unsere  wöchentliche Teambesprechung, lese ich daraus vor. So erfahren alle, wo’s hakt oder auch welche Neuigkeiten es gibt.

Was steht in diesen Büchern?
Im good book führen die Mitarbeiter zum Beispiel häufig auf, dass bei Jimdo jeden Tag ein Koch unser Mittag zubereitet. Im bad book beschweren sich einige über die Unordnung. Bei Jimdo ist es wie in einer großen WG – manchmal fühlt sich keiner fürs Wegräumen verantwortlich.

Wie hast du das Problem behoben?
Durch die Einführung des Müllshoppens. Nach der Teamverlötung schiebe ich einen Einkaufswagen durch die Gänge, in den jeder Mitarbeiter Überflüssiges loswerden kann.

Wie wird dein Job vom Jimdo-Team angenommen? Spürst du manchmal Widerstände innerhalb der Belegschaft?
Nein, totale Widerstände gegen meine Arbeit habe ich nicht erlebt. Ich bemühe mich darum, dass ich für jeden etwas dabei habe. Dem einen ist es wichtig, etwas gegen Unordnung zu tun, ein anderer legt Wert auf Sport, für andere organisiere ich den Besuch von Lesungen. Ich versuche, für jeden etwas zu finden, damit er mit einem Lächeln zur Arbeit kommt – die beste Voraussetzung für sehr gute Arbeit.

Inwieweit lässt sich Unternehmenskultur beeinflussen? Lässt sich ein schlechtes Recruiting mit der Aufwertung des Betriebsklimas sogar ausbügeln?
Zumindest wir bei Jimdo legen extrem viel Wert darauf, dass jemand sehr gut ins Team passt. Das ist eine wichtige Voraussetzung dafür, dass sich alle in einem Unternehmen wohl fühlen. Ich glaube aber, dass sich eine Unternehmenskultur immer verbessern lässt, wenn man Lust hat, die eigenen Mitarbeiter kennenzulernen. Auch wenn das nicht immer einfach ist bei momentan über 70 Teammitgliedern.

Obwohl wir bei Jimdo ein tolles Betriebsklima haben, bleibt genug zu tun: Ich kümmere mich um Motivation und gute Stimmung. Ich sorge dafür, dass man gerne hierher kommt und ich möchte meine Kollegen neugierig machen: Darauf, was der Tag und unser Produkt  bringt.

Angenommen, du verlässt das Unternehmen einmal – könnte es nicht ein Problem werden, dass viel Wissen aus dem Unternehmen geht? Wirst du nicht unersetzbar?
Das glaube ich nicht. Das hört sich vielleicht merkwürdig an, aber im Grunde kann jeder meinen Job machen, der eine offene Persönlichkeit besitzt und leicht auf Menschen zugehen kann.

Was sind deine Ziele für 2012?
Ich möchte gern mehr Sport etablieren. Da wir bei Jimdo Duschmöglichkeiten haben, biete ich bereits Joggingrunden in der Mittagspause an. Ich stelle immer wieder fest, dass man  Kollegen durch gemeinsames Laufen auf noch ganz anderen Ebenen erreicht und sich ganz neue Gesprächsgrundlagen ergeben. Mein persönliches Ziel ist, noch mehr Leute zu erreichen.

Gesprochen haben wir mit Magdalena Bethge
Magdalena arbeitet bei Jimdo als Sprint Managerin. Zu ihren  Aufgaben zählen das Organisieren von Firmenevents und -feiern, das mittägliche Joggen oder die Freitagsvorträge. Sie schafft für die Jimdo-Mitarbeiter Angebote, auch neben der Arbeit etwas gemeinsam zu erleben oder heißt neue Mitarbeiter willkommen. Nur fachliche Dinge bezogen auf das Homepage Baukastensystem überlässt sie lieber den Kollegen.Studiert hat Magdalena Sportwissenschaften, Pädagogik und Öffentliches Recht in Kiel.
Magdalena ist sich sicher: So wie Jimdo sich weiterentwickelt, werden auch sie und ihre Aufgaben sich weiterentwickeln, ein Ende ist nirgends zu sehen.

Wer das Interview mit Magdalena und ihr Aufgabenfeld spannend findet, dem empfehlen wir auch den Eintrag Was macht eigentlich eine Feel Good Managerin? aus unserer Reihe Faces.

Fotos: Alina Atzler

Über die Autorin Yvonne Neubauer:

Yvonne Neubauer arbeitet als freie Texterin und Redakteurin in Hamburg. Sie hat Startupcareer als Blog aufgebaut, der damals noch unter dem Namen HRinside lief. Nach der Übernahme von HRinside durch i-potentials Anfang April 2011 bloggt Yvonne Neubauer weiter auf Startupcareer. Ihre Lieblingsthemen: Köpfe der Internetszene, Social Media und HR-Trends.

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