Die Zukunft Personal 2010 – nicht jedermanns Bier

Yvonne Neubauer, 14.10.2010, 12 Kommentare

Manche Menschen feiern am liebsten in einer Großraumdisko. Für Andere endet der Abend perfekt, wenn sie auf einer Privatparty mit den letzten hartgesottenen Gästen beim Bier um den Küchentisch groupiert landen. Letztere hätten auf der dreitägigen Veranstaltung Zukunft Personal vermutlich weniger Freude als die Anhänger von Massenveranstaltungen.

Groß und imposant wirkt die Zukunft Personal schon auf den ersten Blick und hat somit wahrhaften Messecharakter. Kein Wunder, laut Angaben der Veranstalter tummelten sich vom 12. bis 14.Oktober dort 532 Ausstellern auf einer Ausstellungsfläche von rund 25.000 m².

Mittendrin befinden sich Aktionsflächen und Bühnen, auf denen circa 200 Vorträge und Podiumsdiskussionen zu den verschiedensten Themen des Personalwesen zum Besten gegeben werden.

Unterteilt ist die Messe in die drei Themenhallen „HR Software & Hardware“, „HR Services & Consulting“ und „Professional Training & Learning“ .

Vielleicht ist eine gute Voraussetzung für interessante Gespräche auf der Zukunft Personal auch einfach ein schlechter Orientierungssinn. Den Zeigefinger auf dem Messeplan hin- und herschiebend findet man allerhand hilfsbereite Gesprächspartner – nur nicht unbedingt den, den man sucht.

Manchmal ergibt sich so auf der Großveranstaltung, die keinen handlichen Flyer mit einer übersichtlichen Raum- und Zeitplanung ausgibt, eine spannende Zufallsbegegnung, die unverhofft eine interessante Fachdiskussion offenbart.

Ein anderes Mal jedoch glaubt man sich beim Streifzug entlang der Messestände auf einem orientalischen Markt von HR-Dienstleistern, die wegen der Ähnlichkeit ihrer Dienstleistungen um die Gunst des potentiellen Kunden feilschen. Gespräche müssen aber auch höchst intensiv nacheinander an den Messeständen geführt werden – oder gibt es einen anderen Grund, warum viele Besucher mit überdimensionalen Tüten und diversen Give-Aways von Dienstleistern herumlaufen?

Fast ein bißchen überrascht wirken manche Dienstleister beim Ablehnen des Give-Aways und stattdessen einer Fachfrage zu ihrem Produkt. Viele geben darüber offensichtlich erfreut engagiert Auskunft und Anregungen, Andere zitieren weiter aus ihrem Info-Flyer.

Für einen Großteil der Besucher scheint das aber kein Problem zu sein. Sie scheinen nicht den Fachdiskurs als Hauptziel auf der Zukunft Personal zu haben, sondern vor allem ein Bestreben: Netzwerken, netzwerken, netzwerken. Visitenkarten werden im fliegenden Wechsel verteilt. Mehr als einmal erzählen Besucher stöhnend, auf der nächsten Konferenz würden sie auf jeden Fall mehr Kärtchen zum Verteilen mitbringen.

So wenig die sehr breite Streuung an Themen und auch die Räumlichkeiten die fachliche Diskussion ermöglichen, so mehr bietet die Massenveranstaltung den Besuchern aus dem HR-Umfeld vor allem einen guten Überblick und Querschnitt über die Themenfelder des Personalwesens.

Dem unerfahrenen und vor allem unvorbereiteten Besucher auf der Zukunft Personal beschleicht dabei schnell das Gefühl, wichtige Fachgespräche zu verpassen. Workshops und Vorträge finden parallel statt und überall herrscht ein ständiges Kommen und Gehen.

Wer sich gezielt über bestimmte Zukunftsthemen auf der Messe informieren will, der sollte Zeit für eine intensive Vorbereitung investieren. Zu unterschiedlich sind die Niveaus der Vorträge.

Insbesondere im Bereich Social Media/Employer Branding trennt sich schnell die Spreu von Weizen, wenn man als Besucher die Aktivitäten des Sprechers im Vorfeld unter die Lupe nimmt: Hat der Sprecher überhaupt einschlägige Erfahrungen beispielsweise mit Facebook oder Twitter? Oder verwendet er diese Buzzwords im Titel seiner Präsentation als Publikumsmagnet?

Die in den Messehallen plazierten Expertenforen bieten wenig Athmosphäre für Fachdiskussionen – wer den Expertenaustausch oder das inhaltliche Vorantreiben eines Spezialthemas sucht, wird enttäuscht.

Für ein derartiges Anliegen eignen sich eher kleinere Spezialkonferenzen. Wer sich schnell einen groben Überblick über HR-relevanten Themenfelder verschaffen will, ist auf der Zukunft Personal aber genau richtig. Ebenso wer sich im Arbeitsalltag mit einem bestimmten Problem wie Zeiterfassung oder Controlling von Weiterbildungsmaßnahmen ausseinandersetzen muss, kann direkt vor Ort mit den verschiedenen Dienstleistern ins Gespräch kommen und hat wertvolle Möglichkeiten zum persönlichen Kontaktaufbau zu diesen.

Diesem Anspruch wird die Zukunft Personal gerecht – echte Zukunftsthemen sucht man allerdings auf der Zukunft Personal vergebens.

Quelle Fotos: spring Messe Management

Über die Autorin Yvonne Neubauer:

Yvonne Neubauer arbeitet als freie Texterin und Redakteurin in Hamburg. Sie hat Startupcareer als Blog aufgebaut, der damals noch unter dem Namen HRinside lief. Nach der Übernahme von HRinside durch i-potentials Anfang April 2011 bloggt Yvonne Neubauer weiter auf Startupcareer. Ihre Lieblingsthemen: Köpfe der Internetszene, Social Media und HR-Trends.

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