A little less conversation, a little more action – Die xMess und Management-Erkenntnisse für morgen

Janka Schmeisser, 23.11.2011, 4 Kommentare
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Weihnachten im November? Keineswegs, dennoch war Name der Managementbiennale in der Berliner Malzfabrik Programm. X: Cross-over in jeder Hinsicht. Mess: Durcheinander?! Irgendwie schon, jedenfalls was die Formate und Inhalte (aber keineswegs die Organisation!!) anging. Und was die Zweitbedeutung [Messe] angeht – Besinnung hat die xMess in jedem Fall erreicht. Was wir außer Besinnlichkeit noch mitgenommen haben und was in die Notizbücher von [zukünftigen] Managern gehört:

3 Tage, 200 Teilnehmer, 1 besonderer Ort und im Fokus: Die [nächste] Gesellschaft! Klang cool. Ziel der xMess war die Suche nach Organisations- und Managementformen für eine Gesellschaft, deren Betriebssystem zunehmend das Internet ist. Welche Modelle und Ansätze da in Frage kommen, schien zunächst unklar, mit einer Gewissheit: Sicher keine von gestern. Oder wie Paul Pangara auf dem diesjährigen cothinktank gesagt hat:  We are not going where we could go at the moment: “We are using industrial age technology to solve information age problems.”

Tag eins: Thesen zu einer industriellen Revolution
Ein guter Einstieg in die Thematik war Dirk Baeckers rechenintensiver theoretischer Ausblick in die nächste Gesellschaft, seine These: die Einführung der digitalen Medien hat mindestens eine ähnliche Auswirkung auf die Entwicklung unserer Gesellschaft wie vorher die Sprache, die Schrift und der Buchdruck. Dieses Video fasst seine Keynote in 3 Min. gut zusammen.

Geht doch nach Hause! Warum Microsoft seine Mitarbeiter für 3 Monate ausquartiert
Am Nachmittag gab es erste Einblicke in die Praxis: Kevyn Eva Norten berichtete live von ihren Erfahrungen als Program Manager des Projekts „The New World of Work“ bei Microsoft Schweiz. Die Kurzfassung: Die Microsoft Schweiz schickte ihre 530 Mitarbeiter für 3 Monate in den „Virtual Summer“, um in dieser Zeit das gesamte Bürogebäude von Microsoft für die „New World of Work“ umzugestalten. „From control to trust. From presence to output.“ sind Beispiele dafür, dass eine Denkweise, die in der Startup Szene üblich ist, mittlerweile auch in älteren Unternehmen Einzug erhält. Hier kann man schon mal festhalten, dass Startups als Avantgarde für Arbeit in der nächsten Gesellschaft (die ja schon längst begonnen hat) gelten.

# Fürs Managementnotizbuch: Wir befinden uns in einer industriellen Revolution und auch wenn wir noch keine fertigen Techniken und Modelle für morgen haben, hilft schon mal eines: Sich frei machen von gestrigen Konventionen.

Tag zwei: Es gibt immer mehr Menschen, die schlicht das tun, was sie wollen.  
Dies wurde bei (Feld)Besuchen von z.B. jovoto,  we green, Platoon oder dem Design Research Lab deutlich, die die Konferenzteilnehmer in Grüppchen besuchten. Bastian Unterberg, der Gründer von jovoto, einer globalen Kreativ-Plattform für kollaborative Ideenfindung, wollte z.B. nicht akzeptieren, nach bereits viel Praxiserfahrung und bewiesenem Talent wieder in die klassischen Strukturen eines Unternehmens einzusteigen und das auch noch als Praktikant. Somit gründete er 2006 sein eigenes Startup.

Kreativität und Innovation geschehen außerhalb von Konventionen
jovoto glaubt daran, dass Ideen sich nur dann optimal entfalten können, wenn Kreativen ein Raum gegeben wird, in dem sie selbstbestimmt und frei arbeiten können – wann sie wollen, wo sie wollen und wofür sie wollen. Ein Raum, in dem man als Kreativer inspiriert wird und mit anderen in Interaktion treten kann. Und nicht zuletzt: in dem man für seine Ideen angemessen gewürdigt wird. Ein Raum also, den es so in konventionellen Beschäftigungsverhältnissen nicht gibt. Starbucks, Coca Cola oder die Deutsche Bahn sind einige der Kunden, die verstanden haben, dass die Ergebnisse bei einer selbstbestimmten Arbeitsweise mit Chancengleichheit deutlich besser sind, als auf dem konventionellen Weg. Ein sehr gutes Beispiel für die Arbeitswelt der nächsten Gesellschaft! Die eigenen Werte und ein gleiches Mind-Set sind aus Bastians Sicht einige die Charakterzüge für ein erfolgreiches Startup im Berliner betahaus, welches mittlerweile mit einem weiteren Büro in New York vertreten ist und global agiert.

# Fürs Managementnotizbuch: Erfolgreiches Management besteht auch darin, dass Talente und Ideen im dafür nötigen Freiraum ausgelebt werden können.

Was man in den Prinzessinnengärten über Management lernen kann
Eine der Teilnehmergruppen besuchte die Kreuzberger Prinzessinnengärten als innovative Organisationsform. Was das mit Management zu tun hat? Eine Menge: Das gemeinnützige Projekt Prinzessinnengärten hat ein klares Ziel: Ein Raum sein, in dem sich Generation, Kulturen, Nachbarn treffen und gemeinsam arbeiten, lernen und leben können. Das Ziel ist klar, der Weg dahin nicht einfach: Da stellen sich Politik und Liegenschaftsamt in den Weg, die Finanzierung des Ganzen ist und bleibt unsicher und ob die Fläche weiter genutzt werden kann, weiß auch keiner. Probleme in der Ressourcenbeschaffung sozusagen. Die Gärten sind trotzdem erfolgreich (was jeden BWLer überraschen dürfte) und die Gründe dafür gehören ins Handbuch für zukunftsträchtiges Management:

Management = Gemeinsames Lernen
In den Prinzessinnengärten wird gemeinsam gelernt. Dass heute Gemüse geerntet werden kann und ein Restaurant betrieben wird, liegt daran, dass sich in den Prinzessinnengärten Professoren mit russischen Immigranten, mit türkischen Jugendlichen, mit Kreuzberger Biobürger-Familien austauschen und das Interesse an einem gemeinsamen Ziel teilen. Kooperationen entstehen wenn man sie zulässt, sagte uns Robert und zeigte uns das Werk eines Künstlers, das auf den ersten Blick eher deplatziert wirkte. Na und?! Der Künstler hat etwas FÜR den Garten produziert und engagiert sich für das gemeinsame Projekt – wertvoller könnte der Input nicht sein.

# Fürs Management-Notizbuch: Wer nicht offen dafür ist, sein Gegenüber anzuhören, von ihm zu lernen und Ideen anzuschauen – mögen sie auch noch so abwegig erscheinen – kommt nicht weiter, arbeitet mit niemanden zusammen und versagt sich eine Menge Spaß.

Habt Spaß! Und baut etwas, das andere begeistert.
Der Freitag Nachmittag stand unter dem Stern „Hands-on – Design Thinking in der Praxis“, oder ein bisschen konkreter: Habt Spaß! Die Eindrücke vom Vormittag sollten nun in die Praxis umgesetzt werden, wieder in Gruppen und mit dem Ziel, am Ende einen präsentablen Organisations-Prototypen vorstellen zu können. Mit Hilfe von Design Thinkern aus der Praxis entwickelten die Gruppen Konzepte für Stadtbibliotheken, Fitness-Studios, Partnervermittlungen und Fußballvereine. Diese Konzepte wurden mit Schere, Papier, Kleber und Knete in Prototypen übersetzt. Durch gemeinsames Arbeiten an einer Idee und ganz viel Spaß entstanden interessante Prototypen für die nächste Gesellschaft.

# Fürs Managementnotizbuch: Nichts geht ohne Begeisterung. Teams führen schon gar nicht.

Tag drei: „Navigieren in Unsicherheit“ oder warum Teams vor die Wand fahren
Am Samstag starteten wir mit einer Zukunftswerkstatt von Resourceful Humans. Heiko Fischer und Susanne Dera navigierten uns in einer Gruppe von ca. 15 Teilnehmern in die Unsicherheit.

Die Aufgabe: Als Team repräsentierten wir ein Unternehmen, das Know How und Technik besaß, eine Mars-fähige Rakete zu bauen. Um den Auftrag der NASA zu bekommen, sollten wir unser Team allerdings um 500 Mitarbeiter erweitern um die Skalierung sicherstellen zu können.
Was passierte: 70 Minuten spaßfreie Diskussion über mögliche Prozesse und Strukturen, ergebnislose Zielfindungsversuche in einem Team, in dem viele einfach gern Recht gehabt hätten, andere den Rückzug vorzogen und andere sich abspalteten.
Was nicht passierte: Zusammenarbeit, Zuhören und Eingehen auf die Äußerungen der Einzelnen, Begeisterung und Spaß bei der Sache, an einem Strang ziehen.
Spaß hatten einzig ein paar Teammitglieder, die sich entschieden, der Tochter des Workshop-Leiters Gesellschaft zu leisten und mit ihr überhaupt erst mal die Rakete zu bauen, um die es da ging: Aus Stühlen, Lampen und was wir sonst so gefunden haben.

# Fürs Managementnotizbuch: Ein Team auf ein Ziel zu fokussieren und dahin zu bringen hat nichts mit autoritärer Steuerung und Rechthaberei zu tun, sondern mit einer guten Story und der Fähigkeit, andere Menschen begeistern zu können.

Auf einen Blick: Was wir von der xMess mitgenommen haben

  • Startups und klassische Unternehmen trennen Welten. Jetzt schon. Und wenn das Internet zu Betriebssystem der [nächsten] Gesellschaft wird, haben Startups bessere Karten, weil sie schlicht flexibler sind.
  • Kennzeichen „neuer“ Organisationen: Netzwerkcharakter statt Hierarchie, Demokratie statt Hierarchie, Kooperation statt Autorität, Ganzheitlichkeit statt Funktionalität.
  • … was für den Einzelnen heißt: „Mitarbeit“ hat immer weniger mit Einordnung in Strukturen und Funktionen und immer mehr mit Gestaltung, den eigenem Willen und den eigenen Talenten zu tun.
  • Führung wird in Zukunft immer weniger mit Durchsetzung und Autorität zu tun haben und immer mehr mit Menschenkenntnis, emotionaler Intelligenz und Begeisterungsfähigkeit.
  • Es ist wichtig die gesamte Gesellschaft an den Erfahrungen dieses Mikrokosmos teilhaben zu lassen. Spread the word!

Mehr Bilder von der xMess gibt’s auf flickr und im Stream des Veranstalters (Stiftung Management X)

Die Autoren
Weil uns das kollaborative Arbeiten auf der xMess so gut gefallen hat, ist auch dieser Artikel eine Koproduktion: Von Janka Schmeißer und Christian Meisenberg, der ab Januar das i-potentials Team im Business Development verstärken wird. Christian wird seine Erfahrungen als Geschäftsführer der Studentischen Unternehmensberatung Campus Consult einbringen, mit dem Ziel, bei i-potentials das Arbeitsleben der nächsten Gesellschaft auch außerhalb von Konferenzen mitzugestalten. Auf seinem xMess Namensschild stand „Querdenker“, studiert hat er Wirtschaftsinformatik in Paderborn und Business Studies in Denpasar auf Bali. Die Interessen von Christian sind so bunt wie Mr. Jones, sein Chamäleon.

Über die Autorin Janka Schmeißer:

ist Head of Publishing&Marketing bei i-potentials und verantwortet die Öffentlichkeitsarbeit und Marketingaktivitäten des Unternehmens. Janka ist seit September 2010 bei i-potentials und freut sich jeden Tag, mit dem Unternehmen und den Aufgaben zu wachsen. Thematisch hat sie neben dem Publishing vor allem eine Leidenschaft für den Wandel der Arbeitswelt durch die Digitalisierung entwickelt.

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