#Crashkurs Einstellungsinterview

Gastautor Falko Brenner, 31.05.2011, 1 Kommentar

Es gilt eine Stelle im Marketing zu besetzen. Der Lebenslauf eines Bewerbers ist ordentlich, das Anschreiben ansprechend und die formalen Qualifikationen sind alle vorhanden. Also ladet ihr den Bewerber zum Gespräch ein, sitzt zusammen, trinkt Kaffee, habt euch ein paar Fragen überlegt und redet über dies und das. Nach einer Stunde verabschiedet ihr euch. Die Frage steht im Raum: Könnte es passen?

Vielleicht könnte ein Leitfaden euch dabei unterstützen ein professionelles Bewerbungssinterview zu führen. Und dabei sicherer machen, auch wirklich die richtige Entscheidung zu treffen. Ein gut bewährtes Leitfaden-Prinzip geht auf den Personalpsychologen Heinz Schuler zurück. Das Interview dauert in aller Regel nicht länger als eine Stunde uns sieht so aus:

#Gesprächsbeginn

Einstellungsgespräche sind meist mit einer gewissen Anspannung auf Bewerberseite verbunden. Stellt euch auf jeden Fall am Anfang kurz vor. Ein bisschen Small Talk bricht zudem das Eis und schafft eine angenehme Gesprächsatmosphäre.

#Die Selbstvorstellung des Bewerbers

Der Bewerber wird dann gebeten sich kurz vorzustellen und dabei die Priorität auf die Punkte aus seinem bisherigen Werdegang zu legen, die – aus seiner Sicht – für euch am wichtigsten sind. Der Bewerber kann sich ein bisschen „warmreden“…

#Nachfragen

Zur Selbstvorstellung des Bewerbers werden sicher einige Fragen aufkommen. Am besten ist ihr notiert euch die Fragen und lasst den Bewerber erst einmal zu Ende reden. Konkretisiert dann einzelne Stationen. „Was genau hast Du in diesem Projekt gemacht?“ oder „Wie war am Ende das Ergebnis und was war konkret Dein Anteil daran?“.

#Fachfragen und Grund der Bewerbung

Fachfragen dienen dazu abzuklären, ob die im Lebenslauf angepriesene Expertise auch tatsächlich vorhanden ist. Zum Beispiel sollte ein Marketingfachmann mit den Begriffen SEO oder SMM etwas anzufangen wissen. Fragt nach den Gründen, warum sich ein Bewerber gerade bei euch beworben hat.

Was weiß er über euch und welche konkreten Vorstellungen hat er über seine Aufgaben bei euch. Fragt euren Bewerber z. B. was er in der ersten Woche machen würde bzw. wo er in drei Monaten bei euch stehen möchte. Macht das unbedingt, bevor ihr haarklein erzählt habt, welche Aufgaben der Bewerber haben wird. Die meisten werden sonst alles brav nacherzählen, was ihr bereits ausgeführt habt. Also erst jetzt folgt der Teil mit den konkreten Infos zum Job und den Aufgaben des Bewerbers.

#Realistische Tätigkeitsinformationen

Beschreibt den Bewerbern realistisch, was von ihnen erwartet wird, wenn sie die Stelle bekommen sollten und welche Aufgaben er konkret zu erledigen hätte. Nachfragen von Bewerberseite sind hierbei erwünscht. In Kombination mit dem vorangegangen Erwartungen der Bewerber lassen sich so schnell Diskrepanzen zwischen Erwartungen und Wirklichkeit aufdecken. Solltet ihr feststellen, dass der Bewerber andere Vorstellungen hatte ist das noch kein k.o. Fragt ihn einfach, wie er die genannten Aufgaben angehen würde. Vielleicht hat er ja gute Ideen…

#Was würdest du machen, wenn…

… User die Reputation unseres Unternehmens angreifen? So oder so ähnlich könnte eine konkrete Situation lauten, bei sich die Spreu vom Weizen trennt. Critical Incidents nennt man das in der Psychologie. Situationen also, in denen sehr schnell klar wird, ob jemand seinen Job gut macht oder eben nicht. Überlegt euch genau, wo in eurem Arbeitsumfeld solche Situationen auftreten. Meist sind es Situationen mit Kunden oder Kollegen, die sehr kritisch für den Unternehmenserfolg sein können. Wichtig ist, dass ihr die Frage offen formuliert. Schreibt sie euch vorher auf und vermeidet Fragen á la: „Würdest Du nicht auch…“ oder „Du würdest in dieser Situation doch sicher…“.

#Gesprächsabschluss

Wenn keine Fragen mehr offen sind, sollte am Ende das weitere Vorgehen besprochen werden wie z.B. Fristen für Zu- oder Absage. Auch Gehaltsfragen sollten erst am Schluss behandelt werden.

Was es sonst noch zu beachten gibt

Wusstet ihr außerdem, dass viele Interviewer ihre Entscheidung bereits nach wenigen Minuten fällen? Der erste Eindruck kann aber täuschen. Daher gilt während des ganzen Interviews aktives Zuhören (stimmig reagieren, Nachfragen, nicht aus dem Fenster starren), Notizen machen, nicht mehr Reden als der Bewerber und gewonnene Informationen am Ende sorgsam abwiegen (pro und contra Liste erstellen).

Über den Autor Falko Brenner:

Falko Brenner (Cand. Dipl. Psych.) verantwortet bei viasto den Bereich Forschung und Entwicklung. Die Software-Lösung viasto interview suite ermöglicht eine strukturierte Bewerbervorauswahl mittels asynchroner Videotechnologie. Damit sollen sich Einsparpotenziale realisieren lassen, Terminierungsprobleme vermieden sowie verschiedene Entscheidungsträger in den Recruitingprozess einbezogen und die diagnostische Qualität der Auswahl gesteigert werden. Falko beschäftigt sich mit personaldiagnostischen Fragestellungen rund um das Thema Einstellungs- und Videointerview. Aktuell führt er in Kooperation mit der Freien Universität Berlin eine großangelegte Studie über die Bewerberakzeptanz asynchroner Videointerviews im Rahmen seiner Abschlussarbeit durch. Zu viasto stieß er Anfang des Jahres nach einem Auslandaufenthalt im Graduiertenprogramm der Duke University mit Fulbright Stipendiat.

Ein Kommentar

  • Ein sehr guter Leitfaden für Klein- und Mittelunternehmen, die keine eigenen Personaler bzw. wenig Erfahrung mit Bewerbungsgesprächen haben. Bringt gut auf den Punkt, worauf man achten sollte, damit das Gespräch von beiden Seiten als angenehm empfunden wird und erfolgreich verläuft.

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