INTERVIEW MIT CHRISTINA GRUBENDORFER, INITIATORIN DER BRAND INSIDE
Markenbildung von innen und nach innen? Dass eine starke Marke nach außen Sinn macht, ist ein alter Hut. Was aber bringt eine starke Marke den Mitarbeitern eines Unternehmens und wie kann sie „nach innen“ genutzt werden? Warum ist interne Markenbildung gerade für Startups wichtig? Diese und andere Fragen hat uns Christina Grubendorfer beantwortet, Initiatorin der brand inside, der Fachkonferenz zum Thema interne Markenbildung.
1) Was macht eine starke Marke nach innen aus?
Eine Marke muss überhaupt erst mal stark werden! Das geht nur zusammen mit den Mitarbeitern. Eine Marke kann Mitarbeitern dabei sehr viel Orientierung geben – worum es geht, wo es lang geht. Eine starke Marke schafft Stabilität und ist eine Form der Sinngebung: Was tue ich in meinem Job, warum tue ich das und warum tue ich das gerne? Wenn man diese Fragen beantworten kann, stellt sich ganz automatisch Stolz ein und Zugehörigkeit. Wie das gelingt, ist in jedem Unternehmen ein anderer Weg.
2) Was habe ich als Mitarbeiter von einer starken Marke?
Mit einer starken Marke habe ich als Mitarbeiter mehr Spaß mich einzubringen, alles macht mehr Sinn, weil in Einzelsituationen klar ist, was von mir erwartet wird, zum Beispiel im Kundenkontakt. Wenn Situationen nicht eindeutig sind, schafft eine Marke Orientierung, was im Sinne des Unternehmens richtig ist. Eine Marke bildet im Grunde die Leitplanken: Welches Erlebnis soll ich schaffen, wie soll der Kunde sich fühlen, wenn er mit mir gesprochen hat? Im Grunde bin ich die Marke als Mitarbeiter und kann einen besseren Job machen, wenn ich weiß was von mir erwartet wird und wie ich dadurch einen echten Beitrag leiste. Dadurch bin ich als Mitarbeiter erfolgreicher und ergo zufriedener.
3) Ist (interne) Markenbildung für Startups sinnvoll?
Die Bildung einer Marke und der Weg dahin sind ein Stück weit auch das Ziel. Das beginnt bei der Frage: Wie positionieren wir uns als Marke? Das ist insbesondere für Startups wichtig. Als erstes muss hier nach innen geschaut werden: Was können wir, was haben wir für Potentiale? Als wer und was wollen wir am Markt bekannt werden?
Ich habe selbst schon drei Unternehmen gegründet und kann aus Erfahrung sagen, dass es gerade für junge Unternehmen wichtig ist zu klären: Wer sind wir eigentlich? Was machen wir mit der Idee, die wir haben? Was können wir dazu beitragen, dass die Idee etwas Besonderes wird? Gerade für Startups ist es unerlässlich, dass sie sich all die Fragen mal stellen.
Bei Startups ist es oft so, dass sie ein tolles Konzept haben und die PS dann nicht auf die Straße bringen, weil sie sich nicht strategisch überlegt haben wer sie überhaupt sind und wie sie sich folglich positionieren wollen. Wenn Startups über Positionierung nachgedacht haben, ist das oft ein rein externer Blick auf den Markt und den Wettbewerb: Wo ist da Platz für uns? Doch das greift zu kurz. Für eine starke Marke steht immer die Entwicklung der eigenen Stärken und Potenziale im Vordergrund und zwar inside out.
4) Worum geht es bei der brand inside 2011 genau? 
Darum, dass die Kraft der Marke von innen kommt. Interne Markenbildung – das ist ein sehr interdisziplinäres Thema, allerdings sind die Bereiche, die das Thema gemeinsam treiben müssten, noch nicht ausreichend verbunden: HR, Marketing und Kommunikation. Genau das wollen wir aber schaffen.
Wenn man im HR fragt, hört man: Mit Marke habe ich nichts zu tun, rufen Sie doch mal in der Marketing-Abteilung an! Wenn man Marketing-Leuten etwas von interner Markenbildung erklärt, bekommt man die Ansage, dass man dafür am besten bei HR anruft.
Für interne Markenbildung gibt es keine Abteilung, das muss in einem Projekt bearbeitet und sollte interdisziplinär umgesetzt werden. Wenn man die Menschen aus den verschiedenen Abteilungen einmal zusammenbringt, funktioniert das in der Regel wunderbar und ist ein großer Benefit für die Unternehmen – das haben wir schon bei vielen Unternehmen und auch auf der brand inside 2010 gesehen.
Die brand inside soll ein interaktives Forum schaffen und Menschen und Fachdisziplinen zusammenbringen. Deshalb ist die brand inside keine dieser langweiligen Konferenzen, bei der man einen Vortrag nach dem anderen anhören muss, man hat eine große Auswahl und Beteiligung ist uns ganz wichtig. Wir haben z.B. sog. Table Sessions, wo ein Vortragender maximal 15 Minuten sprechen darf, die restlichen 30 gehören den Teilnehmern für Fragen, Anliegen und Diskussion. Viele Sessions laufen parallel, so dass es eher schwer fallen dürfte, sich zwischen all den tollen Referenten zu entscheiden.
5) Wer nimmt an der Brand inside 2011 teil und für wen ist eine Teilnahme spannend?
Die brand inside hat drei Zielgruppen: HR, Kommunikation und Marketing. Dabei macht es Sinn, wenn Leute in leitender oder auch Referenten-Position teilnehmen, einfach weil dann auch Entscheidungen und Konsequenzen im Unternehmen folgen können. Gerade bei Konzernen ist es ja so, dass Mitarbeiter ohne Entscheidungsbefugnis selten etwas bewirken können.
Bei kleineren und mittleren Unternehmen nehmen meist die Geschäftsführer teil; es sind auch viele Agenturen und Berater dabei die hier noch was lernen wollen, um ihre Kunden in diesem Bereich noch besser beraten zu können.
Wir suchen übrigens noch die letzten Referenten!
Zu Person: Christina Grubendorfer ist Gründerin und Geschäftsführerin der LEA LEADERSHIP EQUITY ASSOCIATION GMBH, einer Berliner Unternehmensberatung für Leadership und Markenentwicklung. Die Diplom-Psychologin und Kauffrau begleitet Unternehmen auf dem Weg zu einer starken Marke und klaren Führungshaltung. Das Konzept markenorientierter Führung, Leadership Branding, hat sie zusammen mit ihrem interdisziplinären Team aus Markenexperten, Führungsprofis und systemischen Organisationsentwicklern für die unternehmerische Praxis entwickelt. grubendorfer(at)leadership-branding.de



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