Gibt es eine weibliche Erfolgsformel für Startup-Gründerinnen?

Simone Kiri, 19.03.2012, 2 Kommentare

Nein, die gibt es nicht“ davon ist jedenfalls Jamie Wong, Co-Founderin von Vayable, überzeugt. Was für sie zählt, um als Gründer erfolgreich zu sein? Selbstbewusstsein, Menschen überzeugen können und die Bereitschaft Fehler zu machen. Unsere Gastautorin Simone Kiri hat mit Jamie über (weibliche) Erfolgsgeheimnisse und Frauen im Silicon Valley gesprochen:

Foto: Drew Kelly

Ein Online-Marktplatz für Reisende, die gerne  abseits der Touristenpfade eine neue Gegend auf ganz besondere Art und Weise erleben wollen und zwar zusammen mit einem einheimischen Tour-Guide. Spannende Idee!

Zumal dahinter Frauenpower im Doppelpack steckt: Gründerin Jamie Wong und ihre Co-Founderin und CTO  Shelly Roche treiben momentan die Internationalisierung des Startups u.a. auch in Deutschland voran. Grund genug, um mich mit Jamie bei meinem letzten Besuch in San Francisco über die „Entrepreneurial Woman Success Formula“ zu unterhalten.

In Deutschland trifft man noch immer sehr selten Frauen auf Internet-Konferenzen oder Startup-Events – ist das in USA auch so?

Ja, das ist bei uns leider auch noch so, allerdings ändert sich das langsam. Mittlerweile gibt es ja auch schon einige Konferenzen und tolle Organisationen, die sich speziell an Frauen richten wie beispielsweise Women 2.0 im Silicon Valley. Mir ist neulich auch aufgefallen, dass es in meinem Freundeskreis sehr viele Frauen gibt, die in der Internet-Startupszene arbeiten – man muss ja nicht gleich selbst gründen. Es ist auch gut, erst mal die kreative Luft und Atmosphäre in einem Startup zu schnuppern. Vielleicht kommt dann irgendwann die Idee und dann ist der Schritt zur eigenen Gründung nicht mehr weit.

Ich habe neulich mal gelesen, dass weibliche Gründerinnen besonders starke Frauen sind. Trifft das auch auf Dich zu?

Ich denke, dass jeder, der ein eigenes Unternehmen gründet, stark ist, egal ob es eine Frau, ein Mann oder Hermaphrodit ist. Was ich damit sagen will ist, dass man zur Gründung eines Statups eine gehörige Portion an Selbstbewusstsein und Entschlossenheit benötigt, sonst kommt man nicht weit. Und ab und an ein paar Schrauben locker zu haben, das schadet eigentlich auch nicht.

Hast Du schon als Kind davon geträumt, später einmal dein eigenes Startup zu gründen?

Wenn ich jetzt so zurückdenke, habe ich eigentlich schon immer davon geträumt ein Produkt zu kreieren, das einen positiven Einfluss auf die Welt und ihre Gesellschaft hat und den kulturellen Austausch fördert. Vielleicht liegt es daran, dass ich schon immer viel und gern gereist bin. Als Studentin habe ich meine semesterfreie Zeit dazu genutzt, um mir mehr als 35 Länder anzusehen. Da trifft man immer wieder auf tolle Menschen, andere Kulturen und erlebt Geschichten, die einem ein Leben lang begleiten.

Ist so auch die Idee zu Vayable entstanden?

Gewissermaßen schon. Durch meine vielen Touren bin ich plötzlich für meine Freunde zur Reise-Expertin geworden. Erst fing alles mit ein paar Geheimtipps für ihre Hochzeitsreise, Familienurlaube oder das Wochenende an. Danach habe ich ihnen die besten Plätze, Shops und Restaurants in New York gezeigt, die man sonst als Tourist nie finden würde. Zu diesem Zeitpunkt lebte und arbeitete ich dort. Nachdem ich allen meinen Freunden die schönsten Orte verraten habe, kamen die Freunde meiner Freunde und so weiter. Irgendwann habe ich dann beschlossen, meine Reise-Tipps in einem Blog zu veröffentlichen und mit anderen zu teilen. Als dieser dann immer beliebter wurde, musste ich mir wieder etwas neues einfallen lassen und so ist die Vayable-Plattform entstanden, sozusagen die Lösung meines eigenen Problems als Guide und Reisender.

Gibt es dann deiner Meinung nach auch kein spezielles Frauen-Geheimrezept, sozusagen eine„Entrepreneurial Woman Success Formula“?

Ich glaube grundsätzlich nicht an Geheimrezepte, schon gar nicht an solche speziell für Frauen. Jeder Entrepreneur ist anders und das ist auch gut so. Es gibt sicherlich ein paar Charaktereigenschaften, die jeder mitbringen sollte, aber grundsätzlich bedeutet Entrepreneurship für mich, nicht einem allgemein gültigem Erfolgsrezept hinterherzueifern, sondern sein eigenes Ding zu machen.

Angenommen ich wollte morgen mein eigenes Startup gründen, welche 3 Tipps würdest Du mir mit auf dem Weg geben?

Tipp eins: Finde die richtigen Leute!

Umgib dich nur mit Menschen, die an dich glauben und dir dabei helfen wollen, deine Vision zu realisieren. Wenn Du niemand findest, dann solltest Du nochmals über deine Idee nachdenken.

Tipp zwei: Mach Fehler!

Denke nie, dass Du perfekt sein musst. Fehler sind erlaubt und auch gewünscht, denn nur dadurch lernst Du.

Tipp drei: Sprinten und Ausdauer haben!

Viele erfolgreiche Startup-Gründer und Investoren haben mir anfangs gesagt, dass Gründen mit einem Marathon und nicht mit einem Sprint vergleichbar ist. Meine Erfahrung der letzten Monate zeigt mir allerdings, dass es eine Kombination aus beidem ist: Du musst wie ein Sprinter extrem schnell sein, gerade bei der Internationalisierung und trotzdem darf dir die Puste auf der langen Strecke nicht ausgehen! Ein Startup zu gründen ist kein Zuckerschlecken und oftmals mit Nachtschichten und Arbeiten rund um die Uhr verbunden. Aber der Fleiß lohnt sich, denn ich und unser großartiges Team haben uns mit Vayable einen Traum erfüllt.

Und bevor Jamie mit ihrem letzten Satz unseres Interviews beginnt, lehnt sie sich entspannt zurück aufs Sofa, lächelt und sagt: „Weißt Du, eigentlich fühlt sich mein Tun gar nicht richtig wie Arbeit an, denn mal ganz ehrlich, ein schönes, verstecktes Weingut in Nappa Valley oder einen Yoga-Segeltörn unter der Golden Gate Bridge mit Freunden zu testen, hat nicht viel mit Arbeit zu tun, eher mit Freizeit – ich glaube ich habe mit Vayable alles richtig im Leben gemacht!“

Über Jamie Wong, Co-Founderin Vayable
Jamie ist Entrepreneurin aus Leidenschaft, Journalistin, spricht mehrere Sprachen und liebt es, um die Welt zu reisen – mehr als 35 Länder hat sie bereits gesehen. Vor der Gründung von Vayable hat sie für bekannte amerikanische TV-Produktionen wie etwa “The Daily Show”, “Sundance Channel”, “ABC News”, “Michael Moore” sowie namhafte Nonprofit-Unternehmen gearbeitet.

Über die Autorin Simone Kiri:

Simone arbeitet als 'Innovation Analyst' und ist stets auf der Suche nach neuen digitalen Trends in den Startup-Metropolen Berlin, New York und San Francisco. Vor allem die Themen E-Commerce, Digital Marketing, Social Media und Mobile interessieren sie. Ähnlich wie ein Trüffeljäger hat Simone über die Jahre einen guten Riecher entwickelt, d.h. sie sucht nicht nur nach Innovationen, sondern analysiert und clustert sie auch exklusiv für ihre Kunden aus den Bereichen Marketing und PR. Zusammen entwickeln sie daraus neue und innovative digitale Produkt- oder Vermarktungsideen. Nach ihrem BWL-Studium mit Schwerpunkt Innovations- und Technologiemanagement arbeitete Simone über zehn Jahre als Marketer für verschiedene internationale Consumer-Lifestyle-Brands, Agenturen sowie als Startup-Consultant. Durch ihren Job ist sie ständig auf Achse und ihr Leben passt mittlerweile in einen Koffer, der (wenn er nicht gerade wieder auf Reisen ist) in Berlin steht. Mehr Infos auf www.kirikom.de

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